DIE STYLISTIN

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Mit manchen Menschen versteht man sich erst auf den zweiten Blick. Als ich Claudia Kirchner das erste Mal begegnete, waren wir Konkurrentinnen, beruflich. Zumindest empfand ich das so, keine gute Basis. Beim zweiten Mal waren wir Kolleginnen, sie sogar meine Vorgesetzte und zählte auf mich. Eine ganz andere Konstellation. In der Folge taten wir das, was wir bis heute am liebsten tun: Visionen entwickeln. Als Führungsteam der Moderedaktion der Zeitschrift freundin konnten wir das aus vollem Herzen, mit unfassbar viel Zeiteinsatz (Schlafen? Wird total überbewertet!) und mit sehr grossen Erfolg leben.

Wir wurden fast gleichzeitig schwanger und trennten uns räumlich. Aber bis heute sehen wir uns so oft es geht und immer ertappen wir uns beim Entsinnen von neuen Ideen. Die meisten drehen sich um Mode, aber nicht um Trends oder flüchtige Aufreger, sondern um bahnbrechende, grundsätzliche Facts. Unsere erste gemeinsame (Business)Idee off Redaktion war ein Styling Service online, damals noch nirgends zu bekommen. Ich hatte bis dahin schriftlich und mit viel Leidenschaft persönlich Leserbriefe beantwortet, die in der Redaktion freundin zum Thema Mode ankamen. Die Leserinnen nahmen sich die Zeit, uns um Rat zu fragen. Und wir nahmen uns die Zeit, ihnen individuell zu antworten. Jede bekam Tipps, Styling-Anregungen, Ausrisse aus der freundin, auch ein wenig Lebenshilfe, vor allem, wenn die Briefe mit «Sie sind meine letzte Rettung…» begannen. Oft genug steckte hinter der Stilfrage mehr, Frauen, die unsichtbar geworden waren, aus welchen Gründen auch immer. Und diese Frauen verdienten es, schnell und kompetent Antwort zu bekommen.

Mit den aufkommenden Internetmöglichkeiten sahen wir eine Chance, unsere Kompetenz auf das Web zu verlagern. «Was soll ich anziehen?» war die Kernfrage, die Website hatte sofort einen dermassen riesigen Zuspruch, dass wir panisch die Notbremse zogen. Keine von uns sah sich in der Lage, das personelle und für den Anfang auch mit finanziellen Investitionen verbundene Risiko zu tragen. Wir waren schlicht nicht mutig genug.

Da es aber nie zu spät ist, hat Claudia Rittich, wie sie heute heisst, einen Styling Service in ihrer Heimatstadt Hamburg aufgezogen. Der nicht nur auf Hamburg bezogen ist. Im Moment ist sie noch als freie Stylistin für Fotoproduktionen gefragt, zwischendurch widmet sie sich Frauen, die auf ihr Know How beim Shoppen oder beim Ausmisten des Kleiderschrankes setzen. Aktuell arbeitet die gelegentliche Dozentin an der Akademie Mode Design (AMD) in Hamburg am Ausbau dieser Services. Visionen wieder.

Ein Stück ihrer grenzenlosen Kreativität kann man sich jetzt schon leisten. Nach unzähligen Fotoshootings an den schönsten Orten der Welt und mit einem scharfen Blick für aussergewöhnliche Kreationen hat sie Schmuckdetails zusammengetragen, aus denen sie Ketten, Amuletts, Armbänder und mehr herstellt. Selbst, von Hand, mit Liebe. Meine zweitliebste lange Kette stammt von ihr

(und Nr. 3, 4 und 5 auch), ich trage sie fast täglich. Sobald die neue Homepage von Claudia Rittich online ist, werden wir hier in den News darüber berichten. Gut Ding will Weile haben.

Aktuell findet man den Schmuck hier.

 

Words: Dörte Welti

Fotos: © Claudia Rittich

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