NEW YORK EXPERIENCE

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Doch, ich war schon mal in New York. Mehrfach. Zum ersten Mal ungefähr 1982 oder `83. Die Freunde, die ich damals kennenlernte, erinnern sich vor allem an unseren phänomenalen Einzug ins Studio 54. Eine denkwürdige Nacht. Mich hat die Stadt aber ansonsten eingeschüchtert. Die Fotos, die ich mit einer alten Voigtländer machte, zeigen vor allem Betonwüsten, natürlich auch die Twin Towers. Ich war fixiert auf Chicago, the windy City, fand sie offener, mit schöneren Bauten, irgendwie stylischer. Es könnte daran gelegen haben, dass ich auf dem Weg war, Architektur zu studieren, dass mich Frank Gehry und Co mehr faszinierten als die metropolistischen Kästen der Stadt, die niemals schläft.

Die nächsten Jahre verschlug es mich immer wieder nach New York, meist nur sehr kurz, oft geschäftlich, selten mit genug Zeit, ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen. Die 9/11 Katastrophen haben mich der Stadt entfremdet, ich fühlte mich nicht wohl bei dem Gedanken, dort hin zu müssen, schon Stop Overs auf dem Flughafen bereiteten mir Unbehagen.

Im Winter 2015 gehörte ich dann zu einer Handvoll Journalisten, die auf Einladung von Breitling nach New York fliegen durften. Anlass war die Präsentation einer neuen Uhr, eine neue Boutique in Planung, aber vor allem ein Interview mit Mike Kelly (zu lesen in einer der nächsten Folgen). Mike Kelly ist Astronaut. Das Ungewöhnliche an seiner Story ist, dass er einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls Astronaut ist und zu der Zeit, als wir das Interview führten, auf der Internationalen Raumstation ISS lebte und insgesamt ein Jahr dort bleiben sollte. Einen eineiigen Zwillingsbruder zu haben, der auf der Erde stationiert ist – davon verspricht sich die NASA einzigartige Erkenntnisse darüber, wie das Leben im All den Körper eines Menschen tatsächlich beeinflusst. Das Besondere an der Geschichte Mike Kellys aber ist, dass er seinen Job als Pilot der Challenger, die als Shuttle zur ISS diente, aufgab und sich um seine Frau Gabby Giffords kümmert. Die Politikerin wurde am 8. Januar 2011 bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt, ein Schuss direkt in den Kopf.

Das Gespräch mit Mike Kelly über Zeit und die wichtigen Dinge des Lebens war eindrücklich. Am nächsten Morgen nutzte ich kurz vor Abflug noch die wenige verbleibende Zeit und liess mich mit dem morgendlichen Trubel der Millionenstadt treiben. Sie fühlte sich um Klassen besser an. Ich versprach mir, bei nächster Gelegenheit New York wirklich kennenzulernen.

Vor ein paar Wochen war es dann soweit. Ein Roadtrip mit Teenager No3 (früher habe ich mal einen Blog über die Trips mit den Kids geführt – aufgehört wegen Zeitmangel, sigh!) endete in New York, wohnen durften wir bei Freunden in Brooklyn. Mein bester Reisetipp: Lasst euch von einem Teenager durch New York ziehen. Oder mit dem Teenager treiben, egal, am besten aber ohne grossen Plan. Lediglich ein paar Must do’s/wanna do’s standen auf der Liste, ansonsten gerieten die Tage zu einer einzigen Entdeckungstour. Meine Highlights:

-Die renovierte The Public Library

-Den Central Park von Nord nach Süd zu Fuss durchlaufen

-Das Whitney Museum

-Die High Line

-Zu Fuss über die Brooklyn Bridge

Und ja: Ground Zero. Die beiden Wasseranlagen, auf den Grundrissen der Türme gebaut, sind eindrücklich gestaltet, sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Das Museum musste nicht sein, es reicht mir, die Bilder von damals nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen. Und auch die Errichtung eines Einkaufscenters unter Ground Zero ist – sagen wir mal: typisch amerikanisch.

Von Sohos Aufschwung hatte ich immer nur gelesen, es sei so hip, so cool. Tatsächlich ist es ein aufblühendes Viertel, wo aber schon die Luxusmarken wie Chanel und Louis Vuitton eingezogen sind und beginnen, die Preise zu versauen. In wenigen Jahren wird es in der Greene Street wahrscheinlich nicht anders aussehen als in der Bahnhofstrasse in Zürich, Rodeo Drive in LA oder in irgendeiner anderen Luxus-Einkaufsmeile dieser Welt. Schade.

Besser: Brooklyn. In der Bedford Street reiht sich ein entdeckungswürdiges Lokal ans nächste, authentische Shops machen auf, nachhaltige Ideen werden umgesetzt, gute Leute ziehen hin, es ist herrlich lebendig. Allerdings steigen auch hier schon die Preise für Wohnraum, man sollte bald gehen und noch die Pionierzeit geniessen. Sehr eindrücklich: Das Brooklyn Museum, angesteuert wegen einer Georgia O’Keeffe Ausstellung, dann aber noch die Dauerausstellung angeschaut und so tolle Dinge wir The Dinner Party von Judy Chicago entdeckt.

Ein Highlight wurde im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Abend, Drinks auf dem Dach des Whythe Hotel mit atemberaubender Aussicht auf die gesamte Skyline von Manhattan. Mit dem abenteuerlustigen Teenager, der die Mischung aus Kulturprogramm und laissez faire sehr gut gefallen hat, und den wunderbaren Freunden, die zu den Glücklichen mit einem Häuschen in Brooklyn gehören.

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