CRAZY, NOT STUPID

MR BLUE EYES IN THE ARKTIS © Filip Cederholm

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Und jetzt auch noch den Bambi. Am 16. November 2018 bekommt Johan Ernst Nilson in Berlin das goldene Reh, Deutschlands wichtigsten Medienpreis verliehen. Für sein unermüdliches Umweltengagement. 2015 traf ich den Mann aus Stockholm in Zürich zum Interview, inzwischen sind unzählige Expeditionen, Charity-Galas, Geldsammelaktionen, Hilfsaktionen, Umweltaktionen, Aktionen gegen Wilderer wie «Not A Walk In The Park», und viele viele Events mehr dazu gekommen. Und Awards. Die Story, die aus unserem Gespräch vor drei Jahren entstand, hat immer noch ihre Gültigkeit. Sie erschien damals im UNIVERSE, dem First Class Boardmagazin der Airline SWISS.

 

Unsereins ist glücklich, im Leben vielleicht eine Expedition von der Bucket List zu streichen. Johan Ernst Nilson hat 40 hinter sich. Rekordjäger ist er aber nicht.

Es gibt sie, die Expediteure, die Rekorde brechen wollen, einsam sich und der Welt was beweisen müssen. Johan Ernst Nilson gehört nicht dazu. Der blonde (Klischee: check!) Schwede mit den blauen (Klischee: check!) Augen reiht Expeditionen wie Perlen auf eine immer länger werdende Kette, jetzt, wo Sie diese Zeilen lesen, ist er irgendwann auch wieder irgendwo, wo es sicher kalt, hoch oder unwegsam, ist – oder alles zusammen. Unsportlich war er als Teenager, einer, der irgendwie nicht in die Welt passte: «Kein Antrieb, kein Traum, kein Plan.» Eines Tages sieht er Elton John im Fernsehen Klavier spielen und fragt seine Eltern: «Kann ich das auch lernen?» Und dann geben seine Eltern den Rat, von dem wir alle, die wir Kinder haben, hoffen, dass er auf fruchtbaren Boden fällt: «Du kannst. Motivier Dich, fokussiere, übe.»

Drei Jahre später ist Johan ein gut bezahlter Konzertpianist. Und der festen Überzeugung, alles bewerkstelligen zu können, was er sich vornimmt. «Aber mit dem Rad von Stockholm in die Wüste, das schaffst Du nicht», frotzelt ein Freund. Johan nimmt die Wette an. Kauft ein Rad, ein Zelt und übergibt sich vor Erschöpfung nach den ersten 30 Kilometern. Aber er gibt nicht auf, 7500 Kilometer später ist er am Ziel. Macht dieselbe Strecke nochmals: Mit einem Kajak. Und dann zum dritten Mal: Mit einem selbst gebauten Flugboot, ein Gummiboot mit Motor und den Flügeln eines Paragliders, teilweise und zum Entsetzen diverser Fluglotsen 3000 m.ü.Meer. Es folgen Polarexpeditionen, Besteigungen der «Seven Summits», Amazonas Touren. Meist nicht allein, der inzwischen Durchtrainierte schleppte schon Rollstuhlfahrer oder ganze Gruppen von chronisch kranken Kids auf Gipfel. Sein Mantra: Solange Du nicht aufgibst, es zu versuchen, kannst Du nicht scheitern. Einmal war es knapp, der Weg vom Nord- zum Südpol, nur aus eigener Kraft. Kurz nach dem Start standen 50 Kilometer durchs Eismeer schwimmen an – Johan musste sich aus Sicherheitsgründen («I’m crazy, not stupid!») transportieren lassen. Liess sich dann nach über 500 Tagen am Südpol angekommen wieder rauffliegen und hing die Strecke nochmal dran, man muss die Dinge zu Ende bringen.

Angst? «Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur nicht sterben.» Solche Sprüche kommen an, Johan ist gut gebuchter Motivator, eine eigene Marke inzwischen. Vielfach ausgezeichnet für seine Taten, sogar einen Award für sein Lebenswerk hat der Herr Nilson schon bekommen. Er hilft dem schwedischen Königshaus bei ihren Charity-Unternehmungen (z.B. «Mentor» von Königin Silvia) und unterstützt zahlreiche andere Institutionen, fliegt um die Welt, hält Vorträge vor Tausenden atemloser Zuhörer. Alle wollen das selbe wissen: Was macht er, wenn etwas nicht geht? «Das ist der falsche Ansatz», antwortet der Mann, der mehr als jeder andere Ozeane kreuzte, um die Welt segelte, Berge bestieg, Pole überschritten hat, «ich weiss in dem Moment vielleicht nicht wie, aber ich finde es irgendwann heraus.» Als die Autorin den Vielflieger (17 Flüge in einem Monat) morgens um halb sechs vom Hotel abholt, um ihn auf seinen SWISS-Frühflug nach Stockholm zu bringen hält er ihr den Zimmerschlüssel hin, es sei keine Menschenseele im Hotel, alles finster, alles zu, er wüsse nicht, wohin mit dem Schlüssel, ob sie vielleicht später…? Natürlich, auch das ist eine Lösung – Johan Ernst Nilson-Style.

 

Johan Ernst Nilson kommt in Avignon als Kind einer Künstlerin und eines Wissenschaftlers zur Welt, geht in Stockholm zur Schule und glaubte bis er 15 ist, dass «extraordinary things nichts für ordinary people» seien. Heute hält er Hundert Lesungen oder Motivations pro Jahr. Tritt im Fernsehen auf. Setzt seine Power für Kinder, für das Klima ein. Auf seiner Visitenkarte die Telefonnummer, wie man ihn im Polargebiet und im Himalayagebirge erreicht. Und seine Bezeichnungen: Ambassador «MinStoraDag»; Honorary Goodwill Ambassador, Nepal; President Everest Summiteers Association, Sweden; Motivation Coach, Mentor; Member «The Explorers Club»; ausgezeichnet mit der St Eriks Medaille; im Guinessbuch der Rekorde 2015.

Man kann auch mit Johan Ernst unterwegs sein. Wenn man dafür richtig viel Geld hinlegt, das vollumfänglich an die jeweilige Institution geht, für die er gerade sammelt. An einer Gala in New York hat er ein Abenteuer für 190 000 US$ versteigert, an einer Amfar Gala brachte eine Expedition mit ihm eine Viertel Million US$ ein. Nobody can do everything, but everybody can do something, ist sein Motto. Niemand kann alles tun, aber jeder kann etwas machen. Gefragt vor ein paar Wochen, wann er denn mal kürzer tritt und weniger durch die Welt saust, um Missstände zu ändern, sagt Johan Ernst: «As long as there is change to be done I can’t rest.»

www.johanernst.com

There is an english version of the article plus more pictures from Johan Ernst Nilsons adventures, please download the UNIVERSE App or go to www.swiss-universe.com . Thank you for sharing!

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